Vom Bodensee nach Bad Tölz
Warmes Wasser gab es in der Privatunterkunft nicht, aber immerhin ein Frühstücksei. Wir brechen der Vermieterin zuliebe früh auf und alles spricht dafür, dass ein niederschlagsarmer Tag vor uns liegt. Und tatsächlich reißt der Himmel auf, kaum sitzen wir auf dem Rad. Nach einem kurzen Tankstopp geht es auf eine eher wieder bergige Etappe.
Erstmals zeigen sich wieder Berge. Manchmal kann man erahnen, dass die Berge nicht nur mit Bäumen bestanden sind: Es zeigt sich ein wenig Fels. Wir passieren eine große Kuhweide und müssen einige Gatter öffnen und wieder schließen – erinnert mich an Michel, der an den Gattern steht und seine Mütze hinhält, ich behalte den Helm auf, wir sind ohnehin weit und breit die einzigen Menschen.
Die Wege sind oft nur geschottert und führen durch den Wald. Am Vorabend haben wir im Radwegbuch gelesen, dass wir mit den Rädern auf der Kaiserstraße einmal durch ein Flussbett müssen. Unterwegs witzeln wir, dass es inzwischen eine Brücke gibt – wir fahren über mehrere. Auch war der Bach, dessen Flussbett wir vermutlich passieren müssen, in den Orten vorher nicht auffallend groß.
Das Gepäck flog einen Teil des Weges
Plötzlich stehen wir dann doch an der Stelle des Weges, die quer durch das Flussbett führt. Es ist zwar kein Fluss, aber die Wassermengen, die nach den Niederschlägen der letzten Tage dort langlaufen, erlauben es nicht die Räder mit dem Gepäck trockenen Fußes herüberzuschieben oder zu tragen. Man müßte springen, was mit dem Rad unterm Arm kaum geht.
Georg und ich takeln die Taschen ab. Ich trage mein Netbook selbst rüber. Georg wirft mir die übrigen Taschen auf die andere Seite. Er steht mit einem Fuß im Wasser, ich nehme die Räder auf der anderen Seite an. Er stapft dann durchs eiskalte Wasser und freut sich über sein Handtuch. Harald nimmt nasse Schuhe in Kauf – hatten wir die letzten Tage ja auch – und schiebt sein voll beladenes Rad durch den Bach.
Nicht weit von dieser Stelle kreuzt erneut ein Bach den Weg, der zu breit ist, ihn trockenen Fußes zu überqueren Harald bietet an, auch Georgs und mein Rad durch den Bach zu schieben. Er wird nicht der einzige diesen Tag mit nassen Füßen sein.
Gefühlt geht es den ganzen Tag bergab. Kleinere Steigungen bewältigen wir fast ohne Ankergang. Auf der topografischen Karte sieht es so aus, als wäre der Radweg an einer Höhenlinie entlang geplant worden. Mittags finden wir eine Wirtschaft mit Bänken unter einer Markise. Liegt zwar direkt an der Straße, aber es gibt alles, was das Herz begehrt: UMTS, Milchkaffee, Apfelstrudel, Isotone und Leberkäs.
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Später durchqueren wir eine Ebene, in deren Wiesen sich das Wasser staut. Mitten auf dem Weg steht eine große Pfütze. Georg und Harald geben Gas und fahren durch. Das Wasser ist knieftief. Taschen und Füße triefen. Ich bleibe stehen und schaue mir das Spektakel an und rüste mein Fahrrad um.
Die Taschen am Lowrider kommen nach oben: Das Netbook auf den Triathlonausleger und die andere Tasche auf den Gepäckträger. Dabei leisten die kleinen Spanngurte, die ich dabei habe, gute Dienste. Und, da ich schon mal am Räumen bin, hänge ich die Radschuhe an den Lenker und fahre barfuß durch die Pfütze. Meine Schuhe bleiben trocken.
Kettenwäsche
inklusive
Gen Ende der Tour reißt der Himmel, der das Wasser weitgehend gehalten hat, noch einmal richtig auf. Wir sonnen uns auf einer Bank und machen Apfelpause. Wir nutzen die Zeit, um in Bad Tölz eine Unterkunft klar zu machen. Dabei leistet der Bett&Bike-Führer, den mir Angela vermacht hat, gute Dienste – hat sich gelohnt, ihn mitzuschleppen.
Die Unterkunft ist charmant: Ein altes Hotel noch mit einfach verglasten Doppelfenstern, das schon in die Jahre gekommen ist. Es ist aber sauber, die Minibar ist ein Kühlschrank im Gang und eine Strichliste pro Zimmer. Ich mache mich mit Georg über die Nüsschen und ein Weizen her, während Harald die Sauna nutzt, die er heute gar nicht gebraucht hätte.
89 km