Von Hamburg-Harburg nach Hitzacker
Bahnfahren mit dem beladenen Fahrrad ist super: In Burgdorf schon passt der querliegende Zeltsack auf dem Gepäckträger nicht durch die Tür. Man gut, dass ich ihn nur mit dem Standardmechanismus des Gepäckträgers untergeklemmt habe (was Georg auf den ersten Blick erschreckt).
Ich habe massig Zeit und kann in Hannover noch dem Schwiegervater zum Geburtstag gratulieren, bevor Georg eintrifft. Wir schieben gemäß Wagenstandsanzeiger ans Ende des Bahnsteigs, um dann per Lautsprecher zu erfahren, dass der Fahrradwagon ausnahmsweise am anderen Ende hängt – mit uns ziehen diverse weitere Fahrradfahrer um. Der Schaffner ist sehr freundlich und hilfsbereit, wirft uns aber aus dem Wagon mit den Rädern raus, obwohl dort Sitzplätze wären: Der TÜV ist abgelaufen, deswegen darf dort niemand sitzen.
In Harburg bremst uns zunächst der Fahrstuhl aus, der uns vom Bahnsteig wegbringen soll. Er wird gerade repariert und die Monteure können nicht mal schätzen, wie lang es wohl dauern wird. Natürlich haben wir schon auf dem Bahnsteig das Gepäck an und auf die Räder montiert. Das hatten wir im IC abnehmen müssen, weil das Abteil für die Räder recht voll war. Also Gepäck wieder runter vom Rad, die Treppe rauf schleppen, das Rad hinterher und dann wieder alles montieren – dabei fällt der erste Verlust auf: Der Fuß des Ständers meines neuen Rads ist im Zug geblieben, macht nichts, das Rad steht ohne schräger und stabiler.
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Das Wetter ist auch in Hamburg eher grau. Lange Hose und Regenjacke scheint angemessen. Wir finden schnell den richtigen Weg aus der Stadt und fahren Richtung Elbe. Georgs PDA hilft bei der Orientierung. Schon auf den ersten Kilometern schneidet uns ein Bus recht heftig. Doch bald landen wir auf kleinen Straßen, fahren auf Dämmen oder breiten Radwegen. Viele stillgelegte Windmühlen, die meisten ohne Flügel, stehen herum. Der Wind treibt uns voran. Es tröpfelt mitunter. Bei gewittrigem Himmel, gelegentlichem Grollen und Blitzen passieren wir das AKW-Krümmel. Wir flüchten auf der Suche nach einem Kaffe unter eine Brücke und warten den großen Guss inklusive Gewitter ab. Dort stehen noch ein paar mehr Leute herum. Wir trösten uns mit den mitgebrachten Äpfeln.
In Bleckede gibt es den ersten Nachmittagskaffe: Merkwürdiger Typ, der nur auf die Frage, ob wir bei ihm Kaffee bekommen, noch bevor wir sitzen, zwei Tassen bringt. Kuchen gibt es auch. Die Sonne im Rücken tut gut, am Rad trocknen die Regensachen. Bei der Weiterfahrt bliebt kein Gang mehr bei meinem Rad hängen. Der Schaltzug ist aus der Hülse am Rahmen gesprungen. Georg hat den Trick schnell raus: Zug entspannen, Schaltwerk hinten Richtung große Ritzel bewegen (mit Pedalumdrehung) und schon lässt sich der Zug wieder einhängen – eine Fehlkonstruktion, dass sich der Zug um die Lampe wickelt und dort hängenbleibt. Bei Georgs Rahmen sitzt die Öse viel höher, sodass es nicht passieren kann. Tage später sichern wir den Zug mit einem Kabelbinder.
Nach Bleckede wechseln wir die Elbseite: aus dem Wendland in die neuen Bundesländer. Man sieht jetzt die stehengebliebenen Grenzanlagen, vor allem Türme aus der Nähe – ein Teil scheint zugänglich. Wir halten nicht. Wir fahren an einem Dorf vorbei, dass sich Republik nennen darf: http://de.wikipedia.org/wiki/Rüterberg. Manchmal vergisst man, dass man an einem Fluss lang fährt. Die Deiche und Ausgleichsgebiete für Hochwasser nehmen einem die Sicht. Im Osten stehen viele Häuser zum Verkauf. Oft sind es kombinierte Wohnhäuser mit Scheunen; eines hat am Giebel ein großes Geweih hängen. In Hitzacker nehmen wir die letzt Fähre wieder rüber – der Fährmann mault, dass er kein Extra-Euro für ein Bier kriegt – will ihn nachträglich aber auch nicht haben.
Hitzacker baut seinen Hafen um und bei Niedrigwasser ist der Weg von der Fähre in die Stadt beschwerlich: viel Kopfsteinpflaster. Man fürchtet um die Felgen, aber die stecken eine Menge weg. Das beste Hotel am Platz ist unseres (sagt Georgs Mutter) – ein Doppelzimmer für über 80 Euro – das Frühstück ist es allerdings wert: zwei Milchkaffe und Alu-Folie für das Brötchen unterwegs inklusive. Wir sind wohl die einzige Gäste. Haben beide aber wegen der Schnarcherei des anderen schlecht geschlafen. Am Abend fand sich ein akzeptabler Grieche, fürs letzte Bier ein überdachter Biergarten, der wegen eines weiteren Gusses auch nötig war …
Laut Tacho: 103 km, 4:41 Fahrzeit, 22,1 km/h Schnitt