Von Havelberg nach Magdeburg
Trotz reichlich Bier kommen wir gut los. Wir nehmen die empfohlene Abkürzung und sehen nach einem längeren Ritt die versprochene AKW-Ruine Stendal. Das Ding ist nie in Betrieb gegangen, wurde nach russischem Muster (Tschernobyl) gebaut und wird jetzt wieder abgetragen. Die Runde Hülle ist noch zu erkennen, auch die Nebengebäude. Gegenüber liegt ein riesiges Industrieunternehmen und entsprechend viel LKW-Verkehr ist auf der Straße unterwegs. Das obligatorische Schild am Werktor “von der EU gefördert” fehlt freilich nicht.
Alte
Brücke auf die Insel in Havelberg
Wir biegen von der Hauptstraße ab und haben bald Ruhe. Es wird erstmals hügelig. Ein schmaler Asphaltstreifen neben einem unbefestigten Weg ist unsere Bahn. Georg nimmt bergab reichlich Schwung auf, sodass er die Steigung rauf flitzt. Mir ist das mit dem Gepäck zu kippelig. Wir fahren mitunter Gierseilfähre, die allein mit der Strömung angetrieben wird – jedenfalls solange die Elbe kein Hochwasser führt, dann kann der Fährmann auch den Diesel bemühen, der gerade gewartet oder repariert wurde. Auf der Fähre treffen wir einen Radler, der mit einem Nachläufer unterwegs ist – angeblich ist das nicht zu merken. Auch er will nach Dresden.
Erstmals werden wir nicht nass. Drehen aber in Niegripp eine Extrarunde um einen Angelteich. Kurz vor Magdeburg liegt das Wasserstraßenkreuz. Dort treffen wir den Typ mit dem Nachläufer wieder. Er hat uns offenbar überholt. Das Kreuz ist imposant, insbesondere die Trogbrücke, die den Mittellandkanal über die Elbe führt. Diverse Schleusen und ein altes Schiffhebewerk gehören zu den wesentlichen Teilen des Kreuzes; bei der großen Schleuse ist eine Kammer aber offenbar stillgelegt gewesen. Insgesamt wenig Schiffsverkehr (nicht nur auf der Elbe). Geraume Zeit begleitet uns ein Kaliberg in Zielitz – am Wasserstraßenkreuz sieht man in zuletzt. Wir haben mehr Gegenwind als die vergangenen Tage. Nach einer kurzen Rast geht es weiter nach Magdeburg. Sehr malerisch durch den Wald links “Sandfelsen” und rechts die Elbe.
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Der Weg in die Stadt zieht sich dann aber doch gewaltig. Mehr und mehr Freizeitsportler kommen entgegen. In der Stadt fahren wir lange Zeit am Elbauenpark längs. Der zur Bundesgartenschau eingerichteten Familien- und Freizeitpark, sah ziemlich tot aus, ist aber laut Web in Betrieb. Wir irren eine ganze Weil in der Stadt umher. Der erste Teil einer Fußgängerzone sieht aus wie bunt angestrichener Osten: links Platte, recht Platte dazwischen Fußgänger, aber blitzblank. Es folgen schön herausgeputzte Villenviertel.
Letztlich landen wir im Hundertwasser-Hotel. Das hat zwar seinen Preis, aber man muss ja nicht immer sparen. Die Fahrräder kommen in einen Käfig in der Tiefgarage. Wenn man im Detail hinsieht, dann ist es so doll nicht. Die Türrahmen sind rundgemacht, indem Hölzer in die Ecken gesetzt worden sind. Die Fliesen liegen etwas unorthodox, aber die Badezimmer zum Beispiel gleichen sich. Das Haus ist sehr klein, geht nur über eine Etage. Toll sind die Gärten/Innenhöfe, in die man durch Fenster und Balkone hineinkann.
Alles krumm
Nach einem Rundgang – Magdeburg ist eine Shopping-Stadt, unendlich viele Geschäfte – landen wir bei einem Italiener, den Georg schon kennt. Es ist so kalt draußen, dass sich Georg einen Pulli holt. Ich halte im T-Shirt aus, indem ich an das überwarme Hotelzimmer denke, das ich wegen eines Balkons im ersten Stock zur Fußgängerzone kaum nachts lüften kann – in der Tat gurgele ich in dieser Nacht die vom Hotel gestiftete Flasche Wasser weg. Der Italiener braucht ewig, bis wir Getränke, Karten und schließlich das Essen haben. Der Kellner erinnert an den Tatort-Kommissar aus Ludwigshafen.
Allmählich setzten sich immer gleiche Bilder des Ostens fest: Häuser, die provisionsfrei zu verkaufen sind oder als Ruinen dastehen, um die sich niemand mehr kümmern möchte.
Laut Tacho: 122 km, 6:19 Fahrzeit, 19,4 km/h Schnitt, 38,2 km/h max.