Von Magdeburg in die Lutherstadt Wittenberg
Durch eine Abkürzung bei Schönebeck verkürzen wir die lange Route (150 km laut Buch) ein wenig. An anderen Stellen verlängern wir die Tour unnötig: So wollen wir zwischen Friederikenburg und Steckby eine sandige Strecke meiden und verzetteln uns bei Barby und in Rosenburg. Radler, die wir an einer Fährstation später ansprechen und die die andere Elbseite befahren haben, können nicht von sandige Passagen berichten. Der Tag war insgesamt eher grau, mal kurz sonnig. Die Landschaft ist abwechslungsreich, eher waldig, aber man hat das Gefühl, das alles schon mal gesehen zu haben – sprich wenig Abwechslung.
Wir passieren Dessau, am Hugo-Junkers-Museum vorbei (der Flieger) und am Bauhaus. Das steht in einem eher abgewrackten Wohngebiet – kein dolles Umfeld. Aus Dessau heraus kommen wir in einer Villengegend vorbei, bei der man sich fragt, wer dort wohl zu DDR-Zeiten gewohnt haben mag – es muss viele Funktionäre gegeben haben. Dann und wann ist auch mal ein Haus im “Originalzustand” dabei. Auch ansonsten unterwegs wieder viel Bruch und eine Riesenhalle, die gut erhalten scheint. Es handelt sich um ein Industriedenkmal – ein altes Kohlekraftwerk in Vockerode, das man besichtigen kann. Von dort aus kann man auch Draisinentouren unternehmen.
Toll waren die fetten Sheriffs in ihrem Dienst-Benz, die auf dem Radweg stehenblieben, obwohl wir schon ziemlich dicht dran waren – wäre eine freundliche Geste gewesen, den Rückwärtsgang einzulegen – daheim hätte es eine Ansprache gegeben, so sind wir um die Doofmänner herum gekurvt. Auf den letzten Kilometern nach Wittenberg verfahren wir uns noch mal gründlich, sodass aus vielleicht 15 gleich 25 km werden. Der Dank folgt prompt in Form eines kleinen Unwetters mit Blitz, Donner und reichlich Nass – für solche Dinge soll die Gegend um Wittenberg bekannt sein. Das erste Mal habe ich das Gefühl, dass das Gepäck am Rad zieht.
Rechts neben der Kloschüssel geht es raus
Als wir endlich in Wittenberg einlaufen, hört es auf zu tröpfeln. Die Unterkunftssuche ist etwas aufwendiger. Letztlich landen wir in einem kleinen Gasthaus. Günstig, nicht schön. Meine Schlafkammer ist durchs Bad (immerhin “das eigene”) zu erreichen, Georg muss übern Flur ins seins und hat es etwas finsterer. Immerhin das erste Hotel, in dem es Gratisinternet per WLAN gibt – liegt vielleicht an der Lage meines Zimmers ganz oben in der Hausecke. Nach dem Tockenlegen verlassen wird das Establishment und suchen die Tür von Luther. Wir finden zahlreiche Kirchen, können aber jene welche nicht zuordnen (die von uns umrundete Schlosskirche ist es gewesen). Sehr hübsch sind die Stadthäuser mit schmalem Durchgang an der anderen Kirche St. Marien. Wäre die Fotografieren nur nicht so umständlich …
Auch Wittenberg ist eine Shopping-Stadt – viele Geschäfte, alles recht edel. Es laufen aber auffallend viele kaputte Gestalten durch die Gegend. Wir kehren schließlich bei einem Inder ein. Die Vorspeisen sind ganz O.K., aber am Nebentisch meckert einer über die Fleischqualität. Georg bekommt sein Essen und ist nach wenigen Bissen “satt”. Meins haben sie vergessen und liefern es nach. Ich kriege es kaum runter und lasse vorsichtshalber die Hälfte stehen. Wir schleichen ins Hotel zurück, ich schnapp mir noch ein Bier in der gerade schließenden Kneipe und sehe die Mitbewohner – wohl Polen, die in oder um Wittenberg arbeiten. Dank eigenem TV und Internet geht der Rest-Abend schnell rum.
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Selbst in Wittenberg wird deutlich, was uns schon die ganze Zeit auffällt: Es ist verdammt wenig los. Die Gastronomie scheint ein irres Überangebot bereit zu halten. Nur wenige Tische sind besetzt, selbst in einer Stadt wie Wittenberg, die ein Publikumsmagnet sein müsste, herrscht gähnende Leere.
Laut Tacho: 133 km, 6:42 Fahrzeit, 19,6 km/h Schnitt, 29,1 km/h max.