Von Mühlberg nach Dresden
Obwohl wir am Abend das kleine Städtchen erkundet hatten, gondeln wir ewig herum, um den Getränkemarkt wiederzufinden. Da stehen schon um 10 Uhr die Leute mit der Bierkanne in der Hand herum und diskutieren lautstark. Wir machen, dass wir loskommen …
Endlich ändert sich mal die Optik: Vor Meißen werfen sich Hügel auf, das Tal wird schmaler, dann und wann schimmert mal Gestein (Sandstein?) durch. Hinter Meißen öffnet es sich wieder. Viele Leute sind hier mit dem Rad unterwegs, wir werden überholt, was bisher selten war. Wir kullern direkt an der Elbe nach Dresden rein und versuchen unser Zimmerglück in der Neustadt. Das in erster Instanz aufgetane Nichtraucherhotel ist zu teuer. Wir versuchen, das günstige Hotel zu finden, das in Georgs Plan aufgeführt ist. Mithilfe des “Örtlichen” aus einer Telefonzelle finden wir die richtige Richtung.
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Es handelt sich um ein Hostel, in dem nur noch Plätze im 6-Bett-Zimmer frei wären. Wir winken ab. Die Mädels sind so freundlich, ein anderes Hotel anzurufen. Es handelt sich um Lollis Homestay ein Hostel. Klingt für mich schon verheißungsvoll, sodass ich schon auf dem Weg dorthin nach Alternativen Ausschau gehalten habe – aber außer einem Edelhotel war nichts zu sehen. Georg hat gleich todesmutig für zwei Nächte gebucht: 20 Euro pro Nase plus 3 Euro fürs Frühstück im Doppelzimmer, Klo und Dusche für die ganze Etage, immerhin für Männlein und Weiblein in eigener Ausführung. Es gibt sogar eine Fahrradabstellmöglichkeit im Innenhof. Hier zahlen sich die Schlösser aus, die ich mitschleppe, dito der Schlafsack, der hier zum Einsatz kommt.
Schon beim Öffnen der Brandschutztür für unser Stockwerk bestätigen sich die Befürchtungen: Es stinkt nach vollgeschissenem Klo. Das Zimmer ist dunkel, die als Zipfel ausgeformte Deckenlampe passt zum Geruch. Georg gibt sich eine Dusche und wir flüchten aus der Unterkunft. Von der Neustadt aus, das sich vielleicht ganz gut als das Kreuzberg oder Linden Dresdens beschreiben lässt, kann man das touristische Zentrum gut zu Fuß erreichen. Zunächst sehen wir aber mehr von der Neustadt, die aus vielen rausgeschälten Häusern besteht, die aber durch Graffiti schon wieder sehr gebraucht aussehen. Viele ulkige Leute, Ausländer, Punks alle mega-cool.
Vor dem touristischen Teil landen wir in einer Fußgängerzone, in der ein Weinfest tobt – feuchtfröhlich. In einem Innenhof hingegen spielen Kinder in einem Orchester klassische Stücke. Wir lassen uns in einem Kaffee nieder und sehen dem Treiben zu. Als wir aufbrechen, geht das Konzert richtig los. Die Oper&Co. bieten wenig Neues. Viel scheint neu dazwischen gebaut. Einige Gewölbe liegen offen da, weil der Eigentümer sie nicht platt machen darf. Hier ist mal richtig was los. Aber es ist noch angenehm, kein Geschiebe. Wir drehen eine größere Runde und erkundigen uns nach Bootfahrten auf der Elbe.
Abendessen gibt es in der Neustadt, bei einem Italiener, der interessante Klappfenster hat, man sitzt zwar drin, hat aber das Gefühl auf der Straße zu sein. Das essen ist O.K. und wir sind mit Gnocchi eher vorsichtig. Kurz bevor wir das Hotel betreten, fängt uns ein Besucher der benachbarten Eckkneipe ab und fragt, ob Georg dem Geburtstagskind nicht eine Freude machen will und sich auf ein Bier dazu setzt. So landen wir für die nächsten Stunden in einer lustigen Runde, die die benachbarte Kneipe zu ihrem zweiten Wohnzimmer gemacht hat und lernen allerhand über das Leben in der Neustadt und fliegende Döner. Dafür, dass wir in der folgenden Nacht wegen der Schnarcherei, der knallenden Hosteltür unter unserem Zimmer und dem Lärm in der Neustadt generell kaum eine Auge zukriegen, brechen wir viel zu spät in der Kneipe auf.
Laut Tacho: 87,4 km, 4:51 Fahrzeit, 18,1 km/h, 31,1 km/h max.