Aus Dresden raus
Das Frühstück im Hostel ist Selbstbedienung in der offenen Küche mit zwei Tischen. In einer Thermoskanne gibt es Kaffe-Spezial, aufgebackene Brötchen bei Abgabe des Coupons, Marmelade steht auf den Tischen – jeder prokelt mit dem Messer in den Gläsern rum. Ich finde gottlob ein verschlossenes Glas, aus dem ich mich mit dem Löffel versorge. Geschirr ist selbst abzuwaschen. Die Toilette ist unerwartet sauber und gar nicht stinkich. Wir rollen unsere Sachen zusammen, beladen die Räder und trollen uns im Nieselregen über Kopfsteinpflasterstraßen an einem alten Hochhaus, dem aufgegebenen Gebäude der Verkehrsbetriebe vorbei.
Der Regen setzt erst richtig ein, als wir nach dem Übersetzen mit der Fähre im Schloßpark Pillnitz ankommen. Die alten Gebäude sind gut erhalten, ein Teil der Gebäude sehen chinesisch aus – das war früher mal ein Trend namens “Chinoiserie”. Es ist interessant zu sehen, wie wenig weit ein chinesisch aussehendes Gebäude von einem herkömmlichen anmutenden Schloss entfernt ist, ein wenig Gold und Farbe genügen. Wir verkrümeln uns in ein Kaffee, als wir aufbrechen wollen, setzt stärkerer Regen wein. Wir bleiben für einen weiteren Kakao. Nach dem Übersetzen wird es richtig kalt: Wir ziehen wärmere und wasserdichte Klamotten an, aber es hilft nicht viel.
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Nach wenigen Kilometern kommt Pension Else. Es ist erst Mittag und wir bekommen dennoch, zwei Zimmer – eines im Keller heißt es. Es entpuppt sich als fensterloses Raum mit großer Sauna und zwei Betten, zudem Durchgangsraum zur Waschküche des Hauses. Georg ist hin: Unterkühlt und kämpft noch immer mit dem Essen des Inders. Die Gruft wird sein Krankenlager. Immerhin schaut die Wirtin wegen der Wäsche häufiger vorbei, sodass er mit Kamillentee und Zwieback versorgt wird. Allerdings schließt die Wirtin ihn ein. Der Keller ist nur von Außen zugänglich. Mein Haustürschlüssel passt nicht.
Mein Zimmer ist unterm Dach, ganz schön, wenn auch klein und wegen Straße, Bahnlinie und Kühlschrank sehr laut. Der Raum riecht nach (Dan)Klorix. Es gibt gekühltes Bier (gegen Aufpreis), Kekse (gegen Aufpreis), österreichische Manner-Schnitten (Aufpreis ebenso unklar wie das Verfallsdatum) und Erdnüsse (gegen Aufpreis). Da in näherer Umgebung ausschließlich das zur Pension gehörende Eis-Cafe liegt, dessen Milchkaffee (schmeckte wie Fertigpulver-Mischung) und Käsesahnetorte (Plaste und Elaste aus Schkopau) nicht überzeugen konnten, besteht mein Abendbrot aus Butterkeks mit Schokolade edelberb in der Tip-Variante – billig, aber stopft – einem Radeberger und einer halben Dose Erdnüsse. Dazu eine Tatort-Wiederholung im TV.
Die Wirtsleute, die die Villa von 1998 an in Eigenregie wieder aufgebaut haben, müssen einiges erlebt haben: Überall prangen Hinweise, wie sich der Gast bitte verhalten soll: Insekten nicht an der Wand platt drücken und mit dem Handtuch verreiben, bis die Farbe ab ist. Rauchen nur draußen: Am Aschenbecher “Eigentum der Villa Else”. An der Zimmertür eine Liste zum Abzeichnen, ob das Inventar noch vollständig vorhanden ist. Den Schlüssel gab es in einer Plastiktasche mit der TV-Fernbedienung – vollständige Rückgabe erbeten. Frühstück gibt es im Eis-Cafe mit Hackepeter in der Kühltheke. Georg schüttet den Saft auf die Anrichte (echt Holzfurnier), obwohl ein Schild auf der Karaffe klebt – wer liest schon Schilder bei dem inflationären Gebrauch?
Laut Tacho: 24,5 km, 1:38 Fahrzeit, 15,2 km/h, 25,8 km/h max.