Weg von der Else Richtung Grenze
Wir brechen auch diesmal erleichtert auf. Es war ein bisschen wie im HO-Betrieb “schöne Ferien” – “lassen Sie es sich schmecken”: Georg geht es besser. Wie vor Meißen zieht sich das Elbtal zu. Es wird dörflich, auch hügeliger, obwohl wir die ganze Zeit neben der Bahnlinie herfahren, und voller. Das Wetter ist gut, teils sonnig, aber mitunter etwas kühl, besonders wenn es in den schattigen Wald geht. Links und rechts kann man erahnen, warum die Gegend sächsische Schweiz oder Elbsandsteingebirge heißt, wobei das ein wenig an Disney-Land erinnert, wenn man mal in den Dolomiten war.
Vielleicht ist das auch vorschnell. Ich kann Georg nicht dafür gewinnen, eine Radtour in ein Tal hinein zu unternehmen. Es ist sicher, dass dabei heftigere Steigungen als im Elbtal zu überwinden sind und es würde eine weitere Übernachtung nötig sein, da ein solcher Ausflug sicher ein paar Stunden dauert. So fit ist Georg dann auch noch nicht.
Wir setzen den schon in Dresden gefassten Plan in die Tat um, einen Teil des Wegs per Schiff zu erledigen. In Schmilka, dem letzten Ort vor der tschechischen Grenze, gehen wir an Bord eines restaurierten Schaufelraddampfers. Georg erkundigt sich zunächst, ob die Fahrräder mitdürfen. Das entscheidet der Kapitän, hat man uns in Dresden gesagt. Der ist aber gar nicht an Bord, sondern nur der Begleiter. Der begrüßt Georg mit Handschlag und einem “ah, die Herren von c’t”, um sich dann über Flachbild-TVs schlau zu fragen.
Die Schiffsfahrt bis Königstein vergeht wie im Flug und liefert überraschend andere Ansichten des Tals, das wir raufgeradelt sind – 17 Euro kostet der Spaß, für 22 wären wir bis Dresden gekommen. Wir bevorzugen dennoch das Rad, denn das geht selbst flussabwärts schneller. Entsprechend sind wir mehr als eine Stunde vor dem Schiff in Dresden. Hinter Meissen probieren wir die andere Seite des Elbufers aus, was aber wenig neue Perspektiven liefert. Die Abkürzung einer Elbschleife beschert uns dafür einen ordentlichen Anstieg. Wir fahren hier an der sächsischen Weinstraße entlang, ohne einen Tropfen zu probieren.
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Diesmal passieren wir Dresden nur und landen in der bisher kultigsten Unterkunft: Einer Blockhütte mit zwei Schlafzimmern, die auf einer Wiese über der Elbe steht. Auf den ersten Blick sah das recht abgewrackt aus und ich war bei der Erkundung schon auf dem Rückzug, als mich freundlich jemand ansprach und fragte, was ich suche. Auch Georg war zufrieden. Im Biergarten – dem eigentlichen Geschäft gab es denn noch Wildschweinbockwurst mit Bohnen-Kartoffel-Salat und Bratkartoffeln im zweiten Gang (gestern gab es ja nichts Gescheites). Das Kulmbacher Hefe-Weizen kommt gut, aber ich höre rechtzeitig auf. Außer gelegentlichem Meißeln in der Nachbarschaft ist das mit Abstand die ruhigste Unterkunft.
Laut Tacho: 93,3 km, 4:50 Fahrzeit, 19,2 km/h, 42,5 km/h max. (ohne Schifffahrt)