Ab nach Hause
Nach einem reichhaltigen Frühstück, das man uns morgens vor die Hütte gestellt hat, geht es wieder los. Unser Plan: Bis Riesa und von dort aus mit dem Regionalexpress eine Abkürzung bis Wittenberg oder weiter nehmen, sodass wir am Folgetag Magdeburg erreichen können. Von Magdeburg aus sollte die Heimreise per Zug kein Problem sein. In Georgs Radwegbroschüre, die gerade neu aufgelegt worden ist, finden sich Hinweise, dass ab Riesa Züge Richtung Wittenberg fahren. Am Bahnhof entdecken wir auf der Abfahrtstafel keinen einzigen und ein genauer Blick auf den Plan offenbart, dass wir nach Röderau auf die andere Elbseite müssen. Hätten wir uns bei genauer Betrachtung der Bahnlinien in der Karte auch denken können …
Günstigste,
ruhigste und urigste Unterkunft
Wir suchen eine Weile nach dem richtigen Weg, der über eine scheußliche Brücke neben einer vierspurigen Straße führt, und finden den Bahnhof schließlich eingezäunt vor. Dort ist aber nur noch der Hausmeister aktiv. Er erklärt, dass die Bahn diese Strecke nach Wittenberg schon vor Jahren stillgelegt hat. Wir beschließen zurück nach Riesa zum Bahnhof zu fahren und unsere Optionen zu sondieren. Mir geht im Kopf herum, noch den Leineradweg bis nach Hannover anzuhängen, aber die Karte liegt natürlich daheim und ich finde Leinfelde auf dem Abfahrtsplan nicht wieder. Georg hat auch nicht wirklich angebissen. Und: Die Aussicht, am Abend die eigene Dusche zu benutzen, ist ebenso reizend wie die Tatsache, dass wir auf dem Radweg jetzt gegen den Wind anfahren. Dabei macht sich das Gepäck sehr bemerkbar.
Im Reisezentrum der Bahn in Riesa bekommen wir mal wieder zu spüren, wie wichtig dem Unternehmen radfahrende Kunden sind: Die Schaltertante gibt nur mürrisch Auskunft und ist nicht bereit, zu checken, ob im IC, den wir ab Leipzig nehmen könnten, noch Plätze für Räder sind – buchen könnten wir sie ohnehin nicht, weil das 6 Stunden vorher zu passieren hat. Wir lassen es darauf ankommen und lösen zunächst nur die Karten für die Regionalbahn nach Leipzig. In dem Zug treffen wir einen Dreiradliegendradfahrer, dessen Gefährt mit Ach und Krach in die Bahn geht. Er erzählt, dass er es hochkant in den Keller trägt.
Beim Erfahrungsaustausch mit einem weiteren Radler wird über die Bahn gescherzt, bei der die Fahrradmitnahme teurer (streckentechnisch) und umständlicher ist, als bei Flugreisen. Er weiß zu berichten, dass Fahrräder an Flughäfen auf Sprengstoff untersucht werden, indem man mit dem Lappen das Rad abreibt und diese Lappen untersucht – so käme man an eine Fahrradwäsche gratis. Wir haben unseren Spaß. Karten hätten wir nicht mal gebraucht – keiner kontrolliert.
Der IC in Leipzig wird früh bereitgestellt. Alle Radfahrer verlassen den Radwagen (ein umgebauter alter IR-Wagon). Wir laden ein und außer uns steigt noch eine Frau zu. Die Zugchefin ist sehr entspannt, wir lösen im Zug nach. In Riesa hat uns die Schaltertante doch tatsächlich Radtickets verkauft, die im IC nicht gelten, obwohl klar war, dass wir den nehmen wollten. Aber zur Ehrenrettung der Bahn: Die Mitarbeiterin in Leipzig, die Georg nach einer alternativen, IC-losen Bahnroute gefragt hat, und die Zugchefin machen die Verstocktheit der Tante aus Riesa locker wieder wett.
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Im Zug rechnen wir die unsystematisch wechselweise übernommenen Hotelrechnungen auseinander. Von Fährgeldern und Kaffestopps abgesehen, haben wir etwas über 400 Euro ausgegeben. Viele würden dafür lieber nach Malle fliegen und sich all-inclusiv beballern – wir definitiv nicht. Zum krönenden Abschluss erlebe ich im Regionalexpress noch einen gesprächigen Schaffner, der selbst beim Aussteigen aus dem alten Radabteil mit anfasst. So was versöhnt mit allen Haken und Ösen des Bahnreisens.
Laut Tacho: 52,2 km, 2:57 Fahrzeit, 17,7 km/h, 44,9 km/h max.