Radtourhelfer
Wenn man mal eine fast 150 km lange Radtour in mühsamer Kleinarbeit für ein Radtourenportal nachgezeichnet hat, dann bricht man das nächste mal nicht ohne technische Hilfsmittel dazu auf. Auf dem Weg an der Elbe lang haben sich zwei Gadgets bewährt und am Rande habe ich interessante Werkzeuge aufgetan, die bei der Auswertung der Daten geholfen haben.
Die in den einzelnen Tagebucheinträgen per Google-Maps gezeigten Tracks hat ein GPS-Logger von Holux aufgezeichnet (M-241), der gleichzeitig auch als Bluetooth-GPS-Maus arbeiten kann. Das Gerät ist mir aus diversen Gründen positiv aufgefallen: Es hat ein kleines LC-Display, dem man entnehmen kann, was es gerade tut, und versucht nicht, mit drei LEDs mehr als acht Betriebszustände zu signalisieren. Es verwendet eine normale AA-Zelle und kann dabei – laut Hersteller – bis zu 12 Stunden am Stück aufzeichnen.
Kleiner
gelber Freund: GPS-Tracker und Maus
Um die aufgezeichneten Tracks auszulesen, braucht man spezielle Software. Die gibt es vom Hersteller für Windows dazu. Wer andere Betriebssysteme verwendet, muss sich selbst umsehen. Nachdem ich diverse Krücken für Mac OS X ausprobiert hatte, deren GUI entweder zum weinend Weglaufen oder deren Preis zum laut Loslachen animiert, bin ich bei gpsbabel hängen geblieben. Die CVS-Version entlockt dem Gerät die darin gespeicherten Tracks, Wegpunkte und was auch immer. Man kann es für jede Plattform einsetzen, sodass ich die Tracks nicht nur mit dem Mac auslesen kann, sondern auch mit dem N800.
Politisch nicht
korrekt, aber dank Maemo-Mapper sehr nützlich
Apropos N800: Diese inzwischen durch das N810 abgelöste Web-Pad von Nokia ist ein genialer Begleiter, weil das Programm Maemo-Mapper die Kartendaten von Google Maps, Virtual Earth, Openstreetmap und Yahoo-Maps auch ohne Internet-Verbindung nutzbar macht. Man kann sie für einen Track beziehungsweise eine Route daheim herunterladen und unterwegs dann darauf zugreifen. Es braucht ein wenig Übung, bis man rausgefunden hat, welche Zoomstufe von welchem Material unterwegs sinnig ist.
Maemo-Mapper kann Kontakt mit dem Logger aufnehmen und sich die aktuellen Koordinaten holen, falls man sich mal völlig verfranst hat. Der Betrieb mit dem externen GPS-Empfänger klappt um Größenordnungen besser als bei dem im aktuellen N810 integriertem Empfänger – der braucht enorm lange, bis er von der Güte des GPS-Signals überzeugt ist. Eine größere Speicherkarte im N800 sollte man freilich einsetzen, damit Genug Platz für die Kartendaten ist.
Das Auslesen des GPS-Empfängers auf dem N800 geht über eine simple Kommandozeile, der man ein kurzes Skript voranstellt, um den GPS-Empfänger per Bluetooth ansprechbar zu machen, folgende Zeilen benutze ich, die aus diversen Quellen im Web zusammengeklaubt sind:
#!/bin/sh
# GPS-BT-Adresse hier eintragen:
BTADDR=DE:AD:BE:EF:BE:EF
dbus-send --system --type=method_call --print-reply \
--dest=com.nokia.btcond /com/nokia/btcond/request \
com.nokia.btcond.request.rfcomm_bind string:$BTADDR string:SPP
D=`date "+%m%d%H%m"`
F="/media/mmc1/Tracks/$D.gpx"
gpsbabel -t -i m241 -f /dev/rfcomm0 -o gpx -F $F
Sie legen die ausgelesenen Track-Daten (-t) in das Verzeichnis Tracks in eine Datei (Type ist mit -o gpx vorgegeben) mit Zeitstempel auf die Speicherkarte, die an /media/mmc1 gemountet ist. Mangels eines sauberen N800 kann ich nicht sagen, ob es genügt die Binär-Datei (gpsbabel_n800_chinook) in das Verzeichnis /usr/bin zu kopieren oder ob womöglich wegen irgendwelcher Paketabhängigkeiten zuerst ein offizielles Paket installiert sein muss – möglich, dass das auf meinem Gerät der Fall war.
Für die gesamt Elbe-Radtour (rund 800 km) hat ein Bruchteil der Aufzeichnungskapazität des GPS-Loggers genügt. Nachdem ich wieder zuhause war, waren immer noch 122628 Einträge im Speicher frei. Die Optionen für die Aufzeichnung standen dabei auf “alle 5 Sekunden” (Entfernung auf 100 Meter – wobei das wahrscheinlich irrelevant ist). Sicherheitshalber habe ich dem Gerät jeden Tag eine neue Batterie spendiert; wobei für unsere Fahrzeiten Billigbatterien vom Elektronikversender genügt haben. Ich habe jetzt noch reichlich über, um die Uhren im Hause zu beschicken.
Bei der Aufbereitung der GPX-Datei, die in einem Stück aus GPS-Babel herausfällt, hat mir ein Programm für den Mac geholfen, das eigentlich für die Planung des persönlichen Trainingsprogramms gedacht ist: TrailRunner. Es liest die GPX-Datei im Stück ein, erkennt die groben Teile (Tage) darin und erlaubt den Export in einzelne Dateien; dabei zeigt es die Tracks auf Kartenausschnitten an. Das war genau das richtige, um die einzelnen GPX-Dateien für die Kartenausschnitte der Blog-Einträge zu produzieren.
Das Auslesen des M-241 auf dem Mac geht analog. Das Kommando zum Auslesen, wenn der Holux M-241 bluetooth-mäßig gekoppelt ist:
./gpsbabel -t -i m241 -f /dev/cu.HOLUX_M-241-SPPSlave-1 -o gpx -F ~/track.gpx
Auch hier lassen sich Format et cetera beliebig über die Parameter variieren. Ich habe es bisher aber nicht gebraucht. Gelöscht habe ich den Speicher des Trackers immer über die per Menüauswahl erreichbare Funktion.
Nachtrag: GPSBabel kann auch die Rohdaten aus dem Gerät auslesen – praktisch, wenn man sicherstellen will, dass man nach dem Löschen noch alle aufgezeichneten Daten parat hat, die bei der Konvertierung womöglich auf der Strecke blieben. Ruft man ./gpsbabel -t -i m241 -f /dev/cu.HOLUX_M-241-SPPSlave-1 -o m241-bin auf, landet eine Datei namens “data.bin” im aktuellen Verzeichnis. Gibt man als Input-Quelle beim GPSBabel-Aufruf dann m241-bin und als Eingabe die besagte Datei an, lässt sich aus den Rohdaten später wieder jedes andere Format generieren.
Die hier benutzten GPSBabel-Binaries basieren auf einem CVS-Export vom 24. Juni 2008 (gpsbabel_cvs_240608.tar.bz2).
Hinweis: Die hier ursprünglich verlinkten Downloads habe ich nicht ins neue Blog gerettet. Die Software ist hoffnungslos veraltet, teils schon nicht mehr im Original zu haben. (Update vom 28.7.2019).