Höhenmeter sammeln im Flachland
Über die MTB-Truppe des hannoverschen Alpenvereins hatte ich von einer “Tagestour über die 7 Gipfel” Wind bekommen: “Das Schmankerl für steigungsfreudige Mountainbiker: Die sieben höchsten Erhebungen der Region Hannover auf einen Streich.” 2000 Höhenmeter in Deister, Süntel, Ith und Osterwald versprach Bernd.
Worauf ich mich eingelassen hatte, schwante mir erst, als ich in Empelde den Rest traf und ein paar Kilometer und einen ersten Anstieg zurückgelegt hatte: Einige der Mitfahrenden hatten schon Alpenüberquerungen gemeistert. Andere waren aber auch Gelegenheitsfahrer, teils nicht mal mit einem MTB ausgestattet – aber wohl alle besser im Bergtraining als ich.
Apropos MTB: Ich hatte mir rechtzeitig vor der Tour ein neues Rad geschossen. Ein einfaches Stevens MTB mit (Öl-)Federgabel und Felgenbremsen (ich hatte mehr Geld für die Gabel ausgegeben als für die Bremsen – bisher war das eine gute Entscheidung). Mit dem MTB war ich einmal probehalber zur Arbeit gefahren und dann ging es am Sonnabend auf Bernds “Seven Summits”.
Schon der erste Anstieg war eine Herausforderung: In kurzer Übersetzung steil bergauf. Das einzige Gepäck am Rad ich, mein Rucksack und zwei Wasserflaschen. Das heißt: Hinreichend Druck auf den Lenker bringen, sonst hebt die Fuhre vorn ab. Das war ein ganz neues Fahrgefühl und ließ die Anstrengung des ersten Anstiegs in den Hintergrund treten.
Die im vergangenen Sommer erworbene “Bergerfahrung”, sprich das Einteilen der Kraft, das bewusste langsam Angehen und das Finden des richtigen Rhythmus war leider nicht mehr da. Ich habe dann versucht, mit den anderen Schritt zu halten, um nicht als Bremsklotz ständig hinterherzufahren, aber mit jedem Anstieg war etwas weniger “Luft” da.
Den letzten Berg habe ich dann nur noch mit Ach und Krach. Solange der Aufstieg über Forstwege führte, ging es mit vielen Pausen: fahren von Kehre zu Kehre, Trinkpause, weiter. Dann wurde der Weg aber noch technisch schwierig, erholt hätte ich es versucht und vielleicht auch geschafft. Die anderen saßen entspannt im Biergarten und hatten nicht mehr mit mir gerechnet.
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Unterm Strich war das ein großer Spaß und endlich habe ich auch mal diese Ecke um Hannover erkundet. Gezeigt hat es mir, dass man im Flachland soviel trainieren kann, wie man will: echte Berge sind durch nichts zu ersetzen. Ich sollte jede Gelegenheit nutzen, Berge zu fahren.
Von den Anstiegen abgesehen war die Tour reiner Spaß: Ich bin, wenn sich die Truppe geteilt hat, bei den “Gemäßigten” mitgefahren, habe also einige Singletrails ausgelassen. Die, die wir gemeinsam gefahren sind, waren spaßig. Überrascht hat mich das Tempo, auch bei den Schussfahrten über Forststraßen – gefallen ist keiner, ab und an sind mal Flaschen oder Brillen abgesprungen.
Die Trails zur Abfahrt sind teils schwer zu finden. Der letzte startet am Rand der Terrasse der Sennhütte. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dort danach zu suchen. Gern gesehen sind die MTBler wohl nicht. An einem Turm hing das Verbotsschild so hoch, dass man es erst gar nicht wahrnimmt – womöglich waren die tieferhängenden häufig verschwunden.
Details zur Tour gab es als PDF im Clubmagazin des Alpenvereins zu lesen (der Link ist leider tot). Die GPX-Aufzeichnung hat einer der Mitfahrenden freundlicherweise spendiert. Mein kleiner gelber Freund war leider die ersten 20km nicht in Betrieb. Habe ich in der Vorfreude leider vergessen einzuschalten.