Weserradweg am Stück
Mit den Kindern will ich an der Weser entlang radeln. Die Idee ist, von Hannoversch Münden nach Hameln zu fahren. Vom Ziel ist man schnell daheim, zum Startpunkt dauert es dafür etwas länger. Die Strecke ist rund 140 km lang. Sollte sich in drei bis vier Etappen machen lassen.
Um einen Eindruck von der Strecke zu bekommen und das zweimalige Umsteigen nicht mit drei Kindern, vier Fahrrädern und einem Anhänger auszuprobieren, liegt die Idee nahe, die Strecke einmal ohne Kinder in einem Rutsch zu fahren. Auch eine gute Gelegenheit das gebraucht erworbene Garmin unterwegs auszuprobieren.
Dieter hat spontan Zeit mitzufahren – sehr schön. Wir brechen morgens um 7 Uhr mit der Bahn auf. Das Umsteigen in Hannover ist kinderleicht: Die Rampe in den ehemaligen Posttunnel runterrollen und auf dem richtigen Gleis wieder raufstrampeln.
Und schon gibt es das erste Lehrstück in Sachen Kundenfreundlichkeit bei der Bahn: Die Metronom-Mitarbeiter machen uns ungefragt darauf aufmerksam, dass im vorderen Teil des Zugs ein besserer Fahrradwagen hängt.
Wir lassen die Räder unten und nehmen in der zweiten Etage des Wagens Platz. Aus dem Metronom kann man schön das Leinetal ansehen. Etwas Ruhe wäre uns ganz lieb: Die älteren Herrschaften, die Wandern wollen, machen ordentlich Radau.
In Göttingen müssen wir das Gleis wechseln, also mit den Rädern die Treppe runter und eins weiter wieder hoch. Dennoch ist Zeit für einen Kaffee. Den richtigen Zugteil, Kassel und Eschwege stehen zur Auswahl, finden wir nur durch Nachfrage.
Anders als die Metronom-Mitarbeiter lassen mich die Cantus-Angestellten mehrfach vorbeilaufen und helfen erst, als ich sie anspreche: In den Zugteil nach Kassel müssen wir, wenn wir nach Hannoversch Münden wollen. Könnte man auch dranschreiben. Naja, immerhin klappt das Entkoppeln der Zugteile in Eichenberg.
Der Ausstieg in Hannoversch Münden ist radfreundlich. Ebenerdig kullern wir auf die Werra zu, passieren den Weserstein und sind schon auf der richtigen Route. Bald zu Anfang gibt es eine Steigung. Dann geht es nur noch gering rauf und runter.
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Zwei Ausnahmen gibt es indes: Sie erwischen uns so unvermittelt, dass nicht mal Zeit zum Schalten bleibt. Wir steigen ab und schieben. Bei der ersten Steigung sehen wir hinterher “25% Radfahrer absteigen”. Das erste Mal, dass das Absteigen-Schild Sinn ergibt.
Was uns immer mal wieder bremst, ist der Wind. Er bläst kontinuierlich und nützt uns eher selten. Erstaunlich, da sich der Fluss doch arg windet und wir alle naselang die Richtung ändern. Im Idealfall schirmt ein Deich.
Die Strecke ist abwechslungsreich, aber nicht aufregend. Dann und wann führt sie an Bahnlinien entlang. Kurz vor dem stillgelegten AKW Würgassen müssen wir die Seite wechseln – es führt über eine hohe, steile Brücke.
Die letzten 20 km sind ein Kampf gegen den Wind: Wir haben noch eine Stunde Zeit, bis der Zug fährt und kennen den Weg in Hameln zum Bahnhof nicht. Dank der Bahn schaffen wir es: Zehn Minuten Verspätung lassen auch die Umstiegszeit in Hannover schmelzen.
Die ganze Tour ist übrigens günstig: Ein Niedersachsenticket genügt für fünf Personen. Hinzu kommt der Fahrradaufschlag, der pro Person 4,50 Euro beträgt – ohne sollte man nicht fahren, wird unter Umständen teuer ;-)
Fahrdaten laut Garmin-Copilot:
141 km, Zeit in Bewegung 6:11 h, Zeit im Stand 1:15 h, Schnitt in Bewegung 22,8 km/h, Gesamtschnitt 19,0 km/h, Höchstgeschwindigkeit 41,3 km/h, Aufstieg 520 m