Noch ohne Gepäck
Nach einer eher unruhigen Nacht – ein Wunder, dass bei der Sägerei das Holzhaus noch steht – gibt es einfaches Frühstücksbuffet (“jeder nur eine Semmel”). Von 6 bis 8 Uhr ist Frühstücksausgabe auf den (meisten) Hütten. Wir schmieren uns Brote als Wegzehrung. Heute geht es erst mal ohne Gepäck auf die Hausgipfel des Stahlhauses.
Ich nutze das erste Mal meine Wanderstöcke. Fühlt sich anfangs komisch an – vor allem, weil ich immer über die Schneckenstecher im Wald auf dem Weg zur Arbeit fluche. Nach einer Eingewöhnungsphase geht das aber gar nicht schlecht.
Ergänzt um die Erzählungen von Rosemarie zum Klettern, sinngemäß “keine Frage von Kraft, sondern geschicktes Verschieben des Schwerpunkts” kann man sie nicht nur einsetzen, um die Knie beim Bergabgehen zu entlasten, sondern auch bergauf, um sich einen sicheren Stand zu verschaffen. Trotzdem fühle ich mich wie eine Spinne mit unterschiedlich langen Beinen.
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Der Weg auf das Hohe Brett ist anfangs recht einfach zu meistern. Über große Steine und hohe Stufen sucht man sich seinen Pfad. An einer ausgesetzten Stelle schieben wir uns auf allen Vieren vorbei. Noch vor dem Jägerkreuz – das ist das erste Gipfelkreuz, das wir erreichen – pausieren wir. Wir kriegen Besuch von Alpendohlen, die wohl, wenn man nicht aufpasst, gern mal die Wurst vom Brot klauen.
Pause
auf dem Weg zum Jägerkreuz
Peter entschließt sich, an dieser Stelle zu warten, wir gehen zu dritt weiter. In knapp über einer Stunde erreichen wir dann das Jägerkreuz und das Hohe Brett – leider fehlen GPS-Aufzeichnung und Höhenmesser – die haben wir mit dem Gepäck bei Peter zurückgelassen. Der Weg an sich enthält zwar ein paar Stellen, die per Seil gesichert sind, wo man die Hände braucht (die Stöcke haben wir zurückgelassen), aber es ist nichts “gefährliches” dabei.
Auf dem Hohen Brett zieht Nebel über den Gipfelkamm. Das ist eindrucksvoll. Peter hat weiter unten am Berg wohl eine Weile in einer Nebelwolke gesessen. Als wir zurück sind, hat sich der Nebel aber verzogen. Interessant: An den Kreuzen gibt es oft Stempelkästen und Gipfelbücher, in die man sich eintragen kann.
Unsere Mittagspause verbringen wir im Stahlhaus. Dort gibt es leckere Leberknödelsuppe (LKS) und Griesbrei mit Fruchtkompott. Was leider nicht taugt ist der Kaffee. Das wäre fader Filterkaffee. Dafür gibt es leckeres Holler-Wasser als AV-Getränk (auch Skiwasser genannt). Das ist das günstigste alkoholfreie Getränk: kaltes Wasser mit Holundersirup.
Nach der Pause nehmen wir uns dann den zweiten Hausberg, den Jenner, vor. Anstatt den gut ausgebauten Weg zur Bergstation der Jennerbahn zu nehmen, über den wir auch zum Stahlhaus gelangt sind, gehen wir den Forstweg Richtung Schneibsteinhaus und weiter hinab. Der ist schotterig und so steil, dass es richtig anstrengend ist. Am Jenner zeichnen sich die Serpentinen eines kleinen Pfads ab. Die wollen wir nehmen.
Rosemarie holt noch einen Begleiter in Berchtesgaden ab. Wir steigen Richtung Jenner hoch, sie weiter ins Tal hinab. Wir brauchen für die Serpentinen bis zur Bergstation 35 Minuten mit einer Verschnaufpause. Das ist deutlich unter der Angabe auf dem Schild am Startpunkt. In der Station tanken wir auf (ich kriege O-Saft und geschäumte Milch mit Kaffe).
Der
zweite Gipfel am zweiten Tag: Jenner
Der Aufstieg Richtung Jenner ist nicht mehr lang. Es gibt einen großen Aussichtspunkt, der einen schönen Blick zum Königssee bietet, und den eigentlichen Gipfel – das ist nett gemacht, weil der Gipfel dadurch als solcher erhalten geblieben ist. Wir schauen uns das eine Weile an, bis es zum Stahlhaus zurückgeht – diesmal über die langweiligen Forstwege.
Laut Höhenmesser, Aufstieg 436 Meter
Rechnerisch eher 650 Meter
jeweils zuzüglich Jenner
Laut GPS: Gehzeit 3:17, rund 12 km (zuzüglich Jägerkreuz&Hohes Brett)