Mit voller Ladung
Einpacken heißt es heute. Es geht mit vollem Gepäck zur Wasseralm. Was man mühsam ausgewickelt hat, muss jetzt wieder in den Rucksack passen. Das ist ganz schön mühsam. Meine Idee, einen Stausack in den Rucksack zu tun, damit kein Wasser eindringen kann, hat zwar den Vorteil, dass man einen Innen- (im Sack) und Außenstaubereich (zwischen Außenhaut des Stausacks und Innenhaut des Rucksacks) hat, aber es ist doch eine ziemliche Kramerei.
Zunächst geht es steil bergan. Rosemarie legt ein angenehmes Tempo vor, sodass es konditionsmäßig prima geht. Wir erreichen den Gipfel des Schneibstein, auf dem schon allerhand los ist. Nach einer Pause und obligatorischen Gipfelfotos geht es weiter. In weiter Ferne sieht man den Weg, wie er sich am Berg langzieht. Es sieht insgesamt nach dem aus, was ich beim Wandern erwarten würde, teilweise waldwegartig. Es gibt wunderbare Blicke zurück auf Jenner und das Stahlhaus.
Pause
am Seeleinsee
Wir passieren die Windscharte und steigen dann Richtung Seeleinsee ab. Dabei gibt es einige Passagen, die man nur mit Beinen und Armen bewältigt. Die Stöcke helfen nicht. Es geht durch und über große Felsbrocken. Die Steine haben teils interessante ausgewaschene Formen. Wir passieren Schneefelder. In den Spuren kann man fast ein wenig Skifahren, wenn man es rutschen lässt und mit den Stöcken Gas gibt.
Über dem Seeleinsee thront eine Schutzhütte der Bergwacht mit einem Telefon, das schon Kilometer vorher angekündigt wird – wäre ein ganz schöner Weg, wenn man es wirklich brauchen würde. Am Seeleinsee machen wir eine längere Pause und können schon die Scharte bewundern, durch die wir wieder aufsteigen werden, um ins nächste Tal zu gelangen.
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Wo es steil raufgeht, geht es auch wieder runter: Der Abstieg entpuppt sich als anstrengend, weil wir einen Gutteil des Wegs über Geröll zurücklegen. Es gerät bei zu hohem Tempo und zu großen Schritten schnell ins Rutschen und man liegt auf dem Kreuz. Der Weg führt in einen Wald hinein, der sich selbst überlassen scheint: Viele Bäume sind umgefallen und liegengeblieben. Nur an Stellen, wo ein Baumstamm den Weg blockiert, hat man Stücke herausgesägt.
Nachdem wir wieder einige Zeit “normal gewandert” sind, birgt der Weg ungeahnte Herausforderungen. Offenbar ist durch den Winter und Regenfälle der Weg auf einigen Querungen abgerutscht und nur provisorisch ausgebessert. Nikolai und Friedrich gehen entspannt vor, ich folge mit mulmigem Gefühl. Die Steine poltern schon mal unter den Füssen weg. Ein Gamsbock, von dem die anderen später erzählen, entgeht mir dabei.
Allmählich steigt der Weg wieder an und wir müssen über diverse Serpentinen den Berg rauf. Zur Talseite geht es oft tief hinunter. Man erhascht schöne Blicke auf den Obersee. Eine Weile laufe ich mit Friedrich in höherem Tempo hoch. Man muss nicht jede Serpentine im Schneckentempo genießen – mit etwas mehr Tempo hat es weniger Schrecken. Unterwegs überholen wir die drei Mädels, die auch schon im Stahlhaus waren und uns unterwegs überholt hatten.
Bergab
auf Schotter – immer schön behutsam
Die Wasseralm ist wirklich urig, versprüht herziges Ambiente. Es herrscht schon reger Betrieb. Wir kommen noch rechtzeitig für einen großen Teller Eintopf, allerdings zu spät für ein Zimmer, sodass wir dort die erste Nacht im Lager verbringen werden. Alle sind von der Tour geschafft. Ich versenke im Nu zwei AV-Getränke in mir. Die letzte Wasserration von immerhin 2 Litern habe ich schon eine halbe Stunde vor Ankunft aufgebraucht gehabt.
Die Ausstattung der Wasseralm ist rudimentär. Der Waschraum ist draußen vor der Hütte. Es gibt es eine beheizte Außendusche (ein schwarzer Schlauch, in dem sich das Wasser bei Sonnenschein aufwärmt) und einen Wasserfall. Die ganz Mutigen springen in den Bach, der sich durch das Tal zieht. Unter dem Klohäuschen stehen Plastikbottiche, die der Hubschrauber wohl dann und wann talwärts bringt. Die Plumpsklos sind jedenfalls sauber und freundlicher als manches WC in anderen Häusern.
Die Nacht ist eher unruhig. Kurz bevor ich im Lager, das unter dem Dach des Haupthauses liegt, in den Schlaf kippe, erklimmt noch ein Bär die Leiter, rollt sich raschelnd in seinen Schlafsack, dreht sich zur Seite und fängt an zu sägen. Letztlich gibt es wieder nur Etappenschlaf.
Laut GPS: Gehzeit 10 Stunden, rund 22 km