Abstieg vom Berg
So urig die Schuhe der Bedienung waren, so speziell ist auch die privat betriebene Hütte. Die Stockbetten sind mit Vorhängen voneinander getrennt. Die Wände zwischen den Zimmerlagern sind kaum dicker, hat man das Gefühl. Man hört Geräusche und sieht das Licht durchschimmern. Es gibt eine luxuriös lang laufende Dusche, leider keine Trockenmöglichkeit.
Neben der Hütte steht ein Kapelle, in der den Bergopfern gedacht wird. Ich finde welche, die vor nicht allzu langer Zeit dort verunglückt sind, wo wir gestern langgelaufen sind. An der Hütte hängt auch ein Schild, das den Rinnkendlsteig beschreibt. Erst denke ich, hätte ich das vorher gewusst, wäre ich den Weg nicht gegangen. Beim zweiten Nachdenken ist aber klar: Natürlich wäre ich ihn gegangen. Hat Spaß gemacht und war auch nicht schwer.
Bergopfer-Gedenkkapelle
St. Bernhard auf Kühroint
Ich habe mit einem Fremden das Zweierlager geteilt. Als ich noch vor Hüttenruhe Sachen holen will, hat er sich schon hingelegt. Ich habe mich offenbar an Nebengeräusche gewöhnt: Ich werde erst wach, als sich mein Mitbewohner fertigmacht. Er ist beim ersten Vogelpiepen aufgestanden, es ist noch dämmrig, soweit ich das durch die Dachluke beurteilen kann. Ich nehme die zweite Schlafetappe dankbar an.
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Die Bewirtschaftung der Hütte ist perfekt: Das Abendessen war lecker, die Germknödel haben wir aufgegessen und auch das Frühstücksbuffet ließ keine Wünsche offen. Merkt man hier, dass es ein privat geführtes Haus ist?
Von der Hütte aus blickt man ins Steinerne Meer zurück, sieht das Watzmannmassiv und kann auch das Matrashaus auf der übergossenen Alm sehen. Mir ist das alle irgendwie vertraut geworden und dabei habe ich nur Bruchteile gesehen. Ich denke, ich werde mal dorthin zurückkommen und Fehlendes ansehen. Dann werden mir auch viele Geschichten wieder einfallen, die Rosemarie erzählt hat, etwa die defekt Toilettenanlage im Watzmannhaus und die lange Schlange am Morgen zum Ersatzhäuschen.
Am Morgen müssen wir ein bisschen Gas geben, damit wir in Schönau gut wegkommen. Der Abstieg ist noch mal heftig, weil es auf breiten Forstwegen mit Schotter steil bergab geht. Ich habe die Stöcke schon verstaut und keine Lust mehr, sie wieder herauszuholen. Vielleicht ein Fehler, aber ich komme unterwegs nicht zu Fall. Das Ende des Wegs führt an der Bobbahn vorbei, an der gerade gebaut wird.
In Schönau suchen wir relativ lang die Bushaltestelle. Als wir die endlich haben, ist noch Zeit für ein Eis. Meiner Erinnerung nach ist das nicht weit, doch wir müssen fast bis zum Seeufer laufen, um ein Eis nach Wahl zu kaufen. Der Gang hat aber angenehm die Wartezeit auf den Bus verkürzt.
Auf unserer Zugreise verpassen wir leider knapp einen IC, der uns eine Stunde gespart hätte, dafür bekommen wir eine volle Fanbreitseite im RE: schon ordentlich bedudelt auf dem Weg zum Public Viewing in die Landeshauptstadt mit Megaphone terrorisiert er einen ganzen Wagen. In München verpassen wir abermals einen ICE und müssen dann sehr lange warten, bis der nächste verspätet ausfährt. Immerhin tröstet die Lounge.
Wie viel Glück wir mit dem Zug haben, wird uns erst in den folgenden Wochen klar: Die Klimaanlage in unserem Großraumabteil geht gut, wir sitzen direkt hinter dem Speisewagen und so schaffen wir es zu dritt, den Bestand an alkoholfreiem Weizen stilecht aus Glasgläsern wegzutrinken. Wir rechnen eben die gegenseitig verauslagten Kosten um, was stressfrei klappt.
Unterwegs kriegen wir immer mal die aktuellen Fussballergebnisse via Lautsprecherdurchsage verkündet. Oft haben sie sich schon so im Abteil herumgesprochen. In Göttingen steige ich mit Peter und Nikolai aus. Rosemarie und Friedrich fahren weiter. Ich gehe zu Fuß zu den Kindern, die bei Angela waren, und bereue vom Berg herunter gekommen zu sein: Göttingen feiert das gewonnene Halbfinale.
Laut GPS: Gehzeit 2 Stunden, 7 km